857 857 FUDUTOURS International 05.10.22 05:03:17

06.08.2017 AC Cesena – Sambenedettese Calcio 2:1 (1:0) / Stadio Dino Manuzzi / 3.426 Zs.

Die Planung des Sommerurlaubs stellt jedes Jahr eine neuerliche Herausforderung dar. Eine Herausforderung, die mir alljährlich großen Spaß bereitet. Sobald die Zeitspanne des Urlaubs feststeht, beginnt das Warten. Das Warten auf den DFL-Rahmenterminplan, die Auslosung des DFB-Pokals und letztlich die zeitgenauen Terminierungen der ersten Saisonspiele. So ergibt sich ein wunderbares Spiel, bei dem sich Woche um Woche ein Puzzlestück zum nächsten gesellt. Am Ende bleibt ein Kampf mit allen Billigfluglinien Mitteleuropas, ein virtuelles Wälzen europäischer Landkarten und ein Blättern durch alle Spielpläne Südwesteuropas. Und am Ende kommt immer eine Route zustande, die einem die Freudentränen in die Augen treibt (z.B. im Jahre 2017: Berlin-Bergamo-Rimini-Cesena-Rimini-Bergamo-Luxembourg-Saarbrücken-Völklingen-Berlin-Málaga-Nürnberg-Berlin).

Bei so einem Wust an Flug-, Zug- und Busverbindungen wartet man dann auch förmlich darauf, dass irgendetwas schiefgeht. Dass es mich jedoch so früh erwischt, war nicht zu erwarten. So stehe ich also am Abreisetag Samstag morgens am S-Bahnhof Frankfurter Allee und muss (NACHDEM ich mein C-Anschlussticket entwertet habe) kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, dass die einzige (!) S-Bahn, die mich pünktlich zum Flughafen befördert hätte, soeben ersatzlos gestrichen wurde. Nehmen mir stöhnen zwei alleinreisende junge Männer mit Rollkoffern lautstark auf. Schnell haben wir uns zusammengeschlossen und den Plan ausgeheckt, ein Taxi zu teilen. Die 39 € Fahrgeld werden solidarisch zu gleichen Teilen vom ungarischen Sales Operator, dem bayerischen Business Consultant und meiner Person geschultert. Die beiden haben sicherlich auch spannende Berufe, aber auch die Geschichten aus meinem Arbeitsalltag wissen die beiden zu überzeugen. Unsteter Lebenswandel, Strukturlosigkeit, Sozialphobien und Alkoholmissbrauch. Und dabei hat die Zeit noch nicht einmal gereicht, um auch über meine Klienten zu sprechen.

Nachdem der Flug nach Bergamo wie im Flug vergangen ist, steige ich beschwingt aus dem Bus, der mich für 2,30 € zum wiederholten Male in die Innenstadt befördert hat. Dieses Mal rennt mir jedoch ein freundlicher italienischer Herr hinterher, der mir mein Handy, welches ich auf meinem Platz liegen gelassen habe, nachträgt. Grazie Mille! Mein Kopf scheint bereits ausgeschaltet, der Urlaub kann also kommen. Bei 35 Grad checke ich in meiner Übergangsbleibe ein und treffe auf den wohl unfreundlichsten Rezeptionisten aller Zeiten. Am Ende des locker-flockigen Aufgalopps in meinen Zwischenstopp wird er mich, nachdem er über polnische Familiennamen hergezogen ist und sich über die lokalen Taxiunternehmen ausgelassen hat, noch fragen, ob ich morgen etwas frühstücken wolle. Da mein Zug bereits um 6.00 Uhr in Richtung Bologna abfahren wird, verneine ich mit Hinweis auf meine frühe Abreise dankend. „At this Time, nobody would have made you breakfast anyways!“, tritt er vergnügt nach. Meinen Geschmack hat der gute Mann getroffen und ich verlasse aufgrund dieser gesunden Portion Misanthropie ausgelassen die Lobby.

Für zusätzliche Entzückung sorgt kurz darauf die Eisenbahnromantik, die sich mit Blick aus meinem Fenster auftut. „Verkehrsgünstige Lage“, könnte man in den Katalog schreiben. Oder aber ehrlicher: Hier haben Sie das Gefühl, der Zug würde direkt durch Ihr Bett fahren. Schön, wirklich sehr schön!

Am nächsten Morgen starte ich in das Unterfangen, mir mit etwas Kleingeld ein mit Salami belegtes Brötchen aus einem Automaten zu ziehen. Klar, dass sich dieses nun, da vom Cateringverlierer bezahlt und begehrt, verkantet und nicht in die zur Entnahme vorgesehene Klappe hinunterfällt. Nebenan beobachten zwei Afrikanerinnen das Szenario skeptisch. Ich fluche, zunächst auf Deutsch, füge dann aber die in den Stadien der Serie A, B und C erlernten italienischen Ausdrücke hinzu, um die beiden Grazien eindrücklich davon abzuhalten, auch ihr Geld einem funktionslosen Automaten zum Fraß vorzuwerfen. Die noch zierlichere der beiden löst das Problem dann mit einem gezielten Handkantenschlag gegen die Maschine, woraufhin mir das Brötchen beinahe direkt auf die Füße fällt. Grazie Mille, schon wieder.

Im Frecciargento nach Bologna wird Fetti, wie bereits im ICE von Berlin nach Ingolstadt vor wenigen Tagen, von der Aircondition auf „angenehme“ 12 Grad schockgefrostet. Naja, hält er sich länger.

Die Regionalbahn von Bologna nach Rimini ist dann auf der Komfortskala auch nicht am anderen Ende zu verorten, da diese nicht zu sehr, sondern eben gar nicht klimatisiert und zudem hoffnungslos überfüllt ist. Fetti sitzt zwischen den Abteilen auf dem Fußboden, trinkt ein Moretti aus einer 0,66 Liter Flasche und braust voller Vorfreude am Stadion des AC Cesena vorbei, welches knapp 20 Minuten von Rimini entfernt direkt an der Bahntrasse liegt.

Kurz darauf hat er in seinem kleinen Familienhotel in Rimini eingechecked und sich einen Überblick verschafft. Oh ja, derart strandnah gebettet wird man die nächsten sieben Tage überstehen können. Und dann ist es auch bereits an der Zeit, direkt den Rückweg nach Cesena anzutreten, da bereits am Tag der Anreise ein Spiel der Coppa Italia zwischen dem AC Cesena und Sambenedettese Calcio ansteht.

Der erste Weg in Cesena führt mich vom Bahnhof zum Stadion des AC, welches dem Zeitgeist der Professionalisierung entsprechend über einen Sponsorennamen verfügt. Sympathischer kommt da schon das Logo des Clubs daher, welches ein Seepferdchen ziert, welches den Spitznamen „Cavallucci Marini“ zur Folge hat. Bereits fünfeinhalb Stunden vor Anpfiff hat eine Vorverkaufsstelle geöffnet. Ich trete in ein kurzes Gespräch mit einem lokalen Tifoso ein, der mich darauf hinweist, dass heute maximal 5.000 Zuschauer zu erwarten wären, da sich momentan alle Ragazzi im Urlaub befänden. Normalerweise besuchen die Spiele des Serie B Clubs angeblich 15.000 Menschen, was ich zunächst zwar in Frage stelle, später aber aufgrund der Angabe auf der Website, dass bereits über 9.000 Dauerkarten verkauft worden wären, glaubhaft finde. Als ich dem abfahrbereit auf der Vespa sitzenden Fan auf Nachfrage erzähle, dass ich Urlaub in Rimini mache, ist die Konversation recht schnell beendet. Nun ja, man kann sich jetzt auch nicht über alle Rivalitäten Italiens im Vorfeld einer solchen Reise belesen…

Für faire 12 € halte ich kurz darauf mein personengebundenes Ticket in den Händen und kann mich dem Sightseeing zuwenden, welches direkt mit einem absoluten Höhepunkt beginnt. Sitzt doch da tatsächlich ein alter Mann in seinem Auto an der roten Ampel und schläft. Ich beobachte die Szenerie zunächst amüsiert, ab der dritten Ampelphase dann zunehmend besorgt, bin dann aber erleichtert, als der Greis seinen uralten FIAT bei der fünften oder sechsten Grünlichteinheit von der Kreuzung bewegt. Schöner Ort für eine kurze Siesta!

Die Stadt hat optisch einiges zu bieten, wirkt bei über 35 Grad in der prallen Sonne (sonntags, in den Ferien) allerdings auch hoffnungslos ausgestorben. Die alten Bauten laden zum Fotografieren ein, die leeren und geschlossenen Restaurants und Straßencafés leider keineswegs zum Verweilen. In letzter Sekunde kann ein Getränkeautomat Fetti vor dem Verdursten retten. San Benedetto Thé – immer wieder ein Genuss.

Am Abend hat die Sonne ein Erbarmen und lässt ein wenig nach. Gegen 18.30 Uhr zeigt das Thermometer der Apotheke im gleißenden Sonnenlicht allerdings noch immer etwas unglaubwürdige 38 Grad Celcius an und Fetti schleppt sich wieder zurück in Richtung Fußballstadion. Dort hat er beim Umrunden der Spielstätte auf dem Weg zur Gegengerade das Vergnügen, Spalier durch die heimische Fanszene zu laufen. Die heimischen Ultras trinken sich bereits mit ihren Freunden des Commando Cannstatt warm. Gar nicht mal so angenehm.

Das Stadion hingegen ist eine echte Augenweide. Die Haupttribüne ist ein wenig in die Jahre gekommen, aber genau wie die drei anderen Tribünen überdacht und nahe am Rasen. Auch die beiden Hintertortribünen sind nahe am Geschehen und dazu mit sehr hohen Stehplatzanteilen konzipiert. Kurzum: Ein echtes Fußballstadion, das es zwingend zu kreuzen gilt.

Die Gäste aus Sambenedettese haben auch gut und gerne 250 sangesfreudige Ultras mitgebracht, die mit Unterstützung der Schickeria München ihre Farben in diesem Pokalwettbewerb mit seinem unsäglichen Modus (Außenseiter müssen zunächst durch die Qualifikation, starten dann auswärts bei gesetzten höherklassigen Teams, während die Erstligisten erst wesentlich später in den Wettbewerb einsteigen und in der entscheidenden Phase des Turniers ein einsetzender Modus aus Hin- und Rückspiel ohnehin dafür sorgt, dass die Großen letztlich leichtes Spiel haben) vertreten werden. Im Halbdunkel bereiten sich die Spieler beider Teams auf die Partie vor. Ökonomisch bedacht wird erst 20 Minuten vor dem Anpfiff das Flutlicht eingeschaltet und dank der Gesänge beider Fangruppen kommt so etwas wie Atmosphäre auf, auch wenn sich am Ende lediglich knapp 3.500 Fans im weiten Rund einfinden werden. Durch die hohe Dichte an geschlossenen Gaststätten in der Stadt bin ich nun gezwungen, der Stadiongastronomie einen Besuch abzustatten. Ein Estrella Damm aus der Dose gibt es für sportliche 3 € zu kaufen und zu Essen steht heute – außer einem kleinen Snack für 1,50 € – leider nichts auf der Speisekarte. Der nette Mensch hinter der Theke sagt, ich hätte die Wahl zwischen zwei Sorten Chips, woraufhin er in seiner Kiste kramt und feststellen muss, dass es sich bei der einen Sorte um Popcorn handelt. Na dann die Kartoffeln für den Tedesco, bitte.

Das Spiel beginnt überaus lebhaft und, dem Zeitgeist der Professionalisierung überhaupt nicht entsprechend, drei Minuten zu früh. Der Außenseiter aus San Bendetto del Tronto in blau-rot kommt stürmisch aus den Kabinen und kann erste Akzente setzen. Ich habe beste Sicht auf Höhe der Mittellinie und beobachte Spiel und aktive Stimmungskerne beider Hintertortribünen gleichermaßen. Wahrlich, es gibt eine Menge zu beäugen – bei den Gästen sogar dies und das an pyrotechnischen Erzeugnissen, die immer wieder zwischendurch am Rand des Mobs entfacht werden. Politisch scheint sich die Kurve relativ weit am linken Rand zu bewegen, worauf die Melodie der Hymne der Sowjetunion hindeutet, die hier mit einem neuen Text zum Besten gegeben wird.

Die linke Außenbahn (aus Sicht der Heimmannschaft) ist nicht gänzlich ausgeleuchtet und so kommt es, dass der Flügelstürmer Cesenas unbeachtet von seinen Mitspielern seine Kreise im Schatten des Tribünendachs zieht. Nach und nach gewinnt der klassenhöher spielende Favorit die Überhand, kann nach 16 Minuten durch Karim Laribi per Elfmeter in Führung gehen und versäumt es im Anschluss, die Führung auszubauen. Recht gute Gelegenheiten werden in der 34. und 41. Minute ausgelassen und so behält der Spielstand bis zum Pausenpfiff seine Gültigkeit.

In der Halbzeitpause verzichtet die Stadionregie auf das Einspielen von Werbung, Musik und sonstigen Störfaktoren. Ein unnachahmliches Gemurmel setzt ein – in Italien hat man sich immer viel zu erzählen. Auch der Ersatztorwart der Heimmannschaft ist mit diesem italienischen Grundbedürfnis ausgestattet und geht seinerseits in den entspannten Smalltalk mit einigen Zuschauern an der Außenlinie.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einem Aufreger, doch leider lassen die Gäste nach nur wenigen gespielten Sekunden die große Chance auf den Ausgleich liegen. Es hätte dem weiteren Spielverlauf sicherlich gut getan, wäre der Kopfball des Sambenedettese-Stürmers aus Nahdistanz nicht vom Schlussmann vereitelt worden. Dieses Warnsignal haben die Spieler aus Cesena verstanden und reagieren blendend, indem sie nun deutlicher ihre Überlegenheit auf den Platz bringen. Für eine Verlängerung ist es auch wirklich zu warm.

Mit einem wunderbaren Distanzschuss, hart und platziert, entscheidet Vita nach 55 Minuten das Duell vor. Da applaudieren gar einige schwarzafrikanische Ordner, die mit ihren gelben Bauarbeiterhelmen mit dem Rücken zum Spielfeld sitzend hierbei doch ein einigermaßen obskures Bild abgeben. Ein Großteil der Zuschauer setzt emotional bereits einen Haken hinter diese Partie, doch schnell werden sie eines Besseren belehrt, da sich der tapfere Drittligist nicht aufgibt und weiterhin mehr als nur andeutet, dass auch sie des Fußballspielens mächtig sind. Zwei-Drei gute Ansätze später ist dann auch ein Torabschluss gelungen, der um ein Haar etwas zählbares nach sich gezogen hätte, leider aber an der Querlatte endet (62.).

Nach 70 Minuten trudelt das Spiel dann etwas ereignisärmer dem vorauszusehenden Ende entgegen. Ich schiele nun immer häufiger auf die Uhr, da die Regionalbahntaktung von Cesena nach Rimini zu solch später Stunde etwas zu wünschen übrig lässt. Um die vorletzte Zugverbindung des heutigen Abends zu erwischen, müsste ich in etwa fünf bis zehn Minuten aufbrechen. Nach kurzer Zeit der Überlegung und mit dem sehnlichen Wunsch ausgestattet, die Nacht in meinem Hotel und nicht am Bahnhof zu verbringen, entscheide ich mich, das Stadion bereits vor Abpfiff zu verlassen.

Kaum habe ich den Fußweg angetreten, erschallt plötzlich von hinten ein Torjubel, der mich durch die engen Straßen verfolgt. Am Bahnhof angekommen (22.46 Uhr), folgt umgehend die Durchsage, dass der Zug nach Rimini 50 Minuten Verspätung haben wird. Neben mir brechen zwei dicke Frauen aus Westfalen zusammen und beschweren sich in breitem Dorfdialekt über die Unzuverlässigkeit der Italiener und wie furchtbar überhaupt doch alles in diesem Land sei. Haltet durch Mädels, ab morgen könnt ihr in eurer 5-Sterne-Bettenburg sicherlich jeden Tag Schnitzel fressen…

… denke ich mir, hole mir im gegenüberliegenden Spätverkauffachgeschäft ein weiteres Moretti und genieße die Abenddämmerung auf dem Binario Due. Um 23.05 Uhr erfolgt dann die überraschende Durchsage, dass der Zug nach Rimini in wenigen Augenblicken auf Binario Uno einfahren würde. Hocherfreut über diese Nachricht begebe ich mich zur Sottopassaggio, während die dicken Frauen in stoischer Ruhe sitzen bleiben. Das schlimmste an Italien ist, dass niemand deutsch spricht und dass alle Durchsagen nur auf italienisch versendet werden, werden sie hinterher sagen.

Ich jedenfalls verzichte darauf, die beiden über die Zugeinfahrt zu informieren, da ich nicht als Sozialarbeiter, sondern als Menschenfeind reise. Kaum habe ich in meinem eingefahrenen Zug am Fenster mit bester Sicht auf die beiden Landpomeranzen Platz genommen, ist auch endlich bei den beiden der Groschen gefallen und sie setzen sich, so gut sie können, ihre riesigen Koffer hinter sich herziehend, in Bewegung. Specktakulär! Große Freude habe ich damit, dass der Zug just in dem Moment anfährt, in dem sich die beiden Vorzeigedeutschen schwitzend, schnaufend, schleppend, meckernd die Treppen hinauf gekämpft haben und denke mir plötzlich: Doch auf das richtige Pferd gesetzt! Viel schöner kann das Tor von Valente in der 90. Minute nun auch nicht gewesen sein…

Während meines Urlaubs gelingt es mir dann, die wenigen Ecken Riminis zu finden, die touristisch nicht völlig ausgeschlachtet sind. Nach diversen Kämpfen mit verschiedenen Strandabschnittsbevollmächtigten, die das Sonnenbaden ohne Zahlung eines Entgelts zu verhindern wissen, habe ich irgendwann auch einen „Privatstrand“ gefunden, an dem ich meine Ruhe habe. Im Musikfernsehen und im Radio laufen zwei Songs auf Dauerrotation und werden zu quälenden Ohrwürmern, wobei einer der beiden ein wirklich tolles Video mit atemberaubenden Schauplätzen vorweisen kann und der andere nach Abklingen der Urlaubslaune zu einem Popsong der Marke Pezzo di Merda wird. Das Fußballstadion des örtlichen Clubs wird besichtigt und auch der Altstadtkern Riminis ist wirklich sehenswert. Die schönste Urlaubserinnerung wird jedoch der gut einstündige Strandspaziergang zum „Macron Store Rimini“ bleiben, in dem ich mir ein Trikot von Rimini Calcio käuflich zu erwerben gedenke. Leider ist das Geschäft dann unerwarteterweise nur in etwa so groß wie mein Wohnzimmer und bietet neben unbedrucktem Teamwear lediglich drei einzelne Trikots zum Kauf an: S.S. Lazio, Albanien, TSV 1860 München. Als wäre diese Mischung des Teufels nicht schon grotesk genug gewesen, beginnt im Hintergrund eine depperte deutsche Familie mit einem Mitarbeiter zu diskutieren. Dieser hatte sich nämlich anfangs geweigert, das gefälschte Juventus-Trikot vom Touristrich nebenan (mit einigen Bars mit wunderbaren deutschfeindlichen riminihilistischen Verbotsschildern) mit einer Macron-Nummer zu beflocken. Aber wenn schon stillos, dann richtig, denkt sich der Deutsche und so gibt der adrette Italiener am Ende kopfschüttelnd klein bei und lässt den Kunden König sein. Da wird der beschenkte Junge auf dem Schulhof richtig Spaß haben!

Am Ende des ersten Teils des Sommerurlaubs begebe ich mich wieder in meinen Wust aus Bahn-, Bus- und Flugverbindungen. Mein Weg führt mich via Bergamo und Luxembourg in das Saarland, in dem der 1.FC Union im DFB-Pokal den 1.FCS hoffentlich Völklinks liegen lassen wird. Und sollte das schiefgehen, dann tröste ich mich im Anschluss halt mit dem zweiten Teil meines Sommerurlaubs. /hvg