270 270 FUDUTOURS International 22.04.19 22:35:11

25.04.2018 1.SC Znojmo FK – FK Fotbal Třinec 0:2 (0:2) / Městský stadion v Horním parku / 380 Zs.

Leicht lädiert geht es am Mittwoch weiter in Richtung Südmähren. Für umgerechnet sehr faire 7 € – natürlich gebucht über die tschechische Bahn – heißt mein Ziel Znojmo. Billig heißt zwangsläufig leider auch immer früh und mit Umstieg. So verlässt der EC 104 nach Gdynia um 8:10 Uhr mit mir an Bord den Wiener Hauptbahnhof und bereits 54 Minuten später steige ich in Břeclav auch schon wieder aus.

Diese Stadt ist dem Wiener nicht unbekannt, immerhin steht hier die Ziegelei, welche die Ziegel für den Stephansdom lieferte. Meine Umstiegszeit von einer halben Stunde nutze ich, um die nähere Umgebung des Bahnhofs zu erkunden. Neben dem Denkmal zur Befreiung Břeclavs von den Nationalsozialisten, dem Postamt, einem Kreisverkehr und einer Kapelle (Anmerkung der Redaktion: Man, wovon diese Stadt alles befreit werden musste…), gibt es noch die Bahnhofspinte „Lokálka“ zu begutachten. Zwei freche Tschechen sitzen auch schon in der Morgensonne und genießen frischgezapftes „Starobrno“. Zum Glück bin ich dann doch nicht der Alkoholiker, für den mich alle halten – oder den ich gern gebe – denn ich verzichte auf ein Pivo und suche lieber mein Gleis.

Dies ist auch gut so, denn der Zug fährt früher los als geplant und auch nur bis Valtice und ab da geht es per Bus weiter. Ich bin zum ersten Mal in der Region Südmähren und damit erstmalig in der wichtigsten Weinanbauregion des Landes. Hier dominiert definitiv der Rebstock, die Hopfendolde hat hier nichts zu melden. Sei es im Landschaftsbild (Weinberge) oder auch im Bezug auf die „Restaurace“, welche vor den Läden lieber mit Schildern auf die üppige Weinauswahl hinweisen als auf Bier. Von der Seite her gar nicht mal schlecht mit dem Bus übers Land zu fahren, hätte man sonst wohl so nicht mitbekommen. Ab Novosedly geht es dann per Ferkeltaxe wieder auf die Schiene für die letzten Kilometer Richtung Znojmo.

Auch in Znojmo lässt man mich wieder deutlich früher ins Zimmer. Als erstes checke ich natürlich die Musiksenderauswahl. „Ockro Gold“ gibt es, passt. Aber bis auf „Downtown“ von Macklemore & Ryan Lewis kommt nicht viel brauchbares, daher entscheide ich mich für die Einkehr in das Hotelrestaurant. Nach Forelle, Kartoffelsalat und zwei „Bernard“ Piva laufe ich in die Stadt. Nachdem FUDU-Tours in Jihlava schon in der Stadt war, in der sich die zweitlängsten unterirdischsten Labyrinthe befinden und da wir uns bekanntermaßen nicht mit der Nummer Zwei zufrieden geben, bin ich heute in der Stadt mit den längsten unterirdischen Gängen (~ 27 Kilometer lang, auf vier Ebenen), welche witzigerweise mit Unterstützung von Bergleuten aus Jihlava entstanden. Aber auch über der Erde hat die Stadt einiges zu bieten und da das Wetter, wie gestern in Wien, mit frühlingshafter Kurzer-Hosen-Wärme überzeugt, bleibe ich lieber in der Sonne. Der erste Weg vom Hotel weg führt mich durch den Stadtpark. Eine lange Baumallee führt durch den Park, über diesen Weg erreicht man in schöner Umgebung aus der Unterstadt die Oberstadt, die ab dem Komenský-Platz beginnt. In der Mitte steht ein Obelisk zu Ehren von Karl von Kopal (Offizier, Teilnehmer an der Völkerschlacht, ging in Znojmo zur Schule) mit der Siegesgöttin Nike auf der Spitze. Allerdings ist viel wichtiger, dass hinter dem ansehnlichen Eckhaus am Platz, ein Flutlichtmast in den Himmel ragt.

Hinter dem Platz befindet sich das „Městský stadion v Horním parku“ (sinngemäß auf Deutsch: Städtisches Stadion im oberen Park), dieses ist unverschlossen und so verschaffe ich mir bereits drei Stunden vor Anpfiff einen Überblick. Das Stadion verfügt über eine überdachte Hauptribüne, eine unüberdachte Hintertor-Kurve, die bis zur Mittellinie reicht und einen gut gesicherten Gästekäfig auf der Gegengerade, man weiß ja schließlich nie wann die notorische Fahrstuhlmannschaft Banik Ostrava mal wieder mit allen Mann vorbeischaut. Das Stadion wurde vor 60 Jahren eröffnet und 2014 komplett saniert. Sanierungsgrund war, dass die Mannschaft 2013/14 erstmals in der ihrer Geschichte erstklassig spielte, aber das Stadion nicht den Anforderungen der Gambrinius Liga genügte. Daher musste der 1.SC Znojmo seine Heimspiele im Srbská-Stadion in Brno und in Jihlava austragen. Das Stadion war am Ende der Saison erstklassig, die Mannschaft nicht, drei Punkte fehlten zum Klassenerhalt und so stieg man wieder in die FNL ab, in welcher man seitdem zweitklassig spielt. Die Besonderheit in diesem Stadion sind die Flutlichtmasten, welche sich seitlich abklappen lassen, ähnlich wie im Karl-Liebknecht Stadion in Babelsberg und vielleicht aus demselben Grund. In Brandenburgs Landeshauptstadt gehört der Park Babelsberg zum UNESCO-Weltkulturerbe und die Flutlichtmasten stören die Sichtachse vom Flatowturm auf den Park und die Stadt. Sehe ich natürlich komplett anders. Flutlicht? Ein „Mast have“! Der unvermeidliche Unionbezug zum 1.SC Znojmo ist übrigens Jiří Balcárek, welcher fünf Jahre Spieler bei Union und bis 31.1.18 für ein halbes Jahr Trainer in Znojmo war.

Ich laufe durch den restlichen Park dann noch in nördlicher Richtung und durch das Stadtzentrum. Wirklich ansehnlich, alte Stadtbefestigungen, diverse Kirchen und Klöster, Renaissancebauten, sozialistische Bauten wie das „Obchodní dům DYJE“, die für tschechische Städte typische Pestsäule, der Rathausturm und das alles ohne irgendwelche Touristenhorden. Eine scheinbar völlig und zu Unrecht unterschätze Stadt, aber mir soll es recht sein, nur vereinzelt sieht man den einen oder anderen Fahrradtouristen in zu engen Radlerhosen.

Danach kehre ich zum Stadion zurück und erhalte für 70 Kč eine hübsche Eintrittskarte. Am Versorgungsstand wird meine mit sehr viel Liebe auf Tschechisch vorgetragene Bestellung auf Deutsch abgewürgt und beantwortet. Als Dank gibt es eine sehr tote, aber trotzdem schmackhafte Klobasa und ein „Hostan“ Pivo. Dieses Bier wurde bis 2009 in Znojmo in den Stallungen der Vorburg auf dem Gelände der Přemyslidenburg gebraut. Die Produktion wurde nach Brno verlegt, weil der Weg zur Brauerei durch die enge (mittelalterliche) Altstadt unzumutbar für die Bierkutscher und Zulieferer wurde. Schmecken tut es trotzdem und ich suche mir einen schönen Platz zum obenrum blank ziehen in der Sonne.

Vier Fans haben den dreistündigen Weg aus Třinec nach Znojmo auf sich genommen. Die Mannschaft wiederum legte die Strecke mit dem Bus ihres örtlichen Eishockeyteams, dem HC Oceláři Třinec, zurück. Den Gästefans stehen auch nur sechs mehr oder weniger aktive Fans der Heimmannschaft gegenüber, beziehungsweise stehen sie eher nebenan. Ansonsten ist hier auch nicht so viel los, nur 380 Zuschauer befinden sich im Stadion und eigentlich fällt mir nur ein rothaariger Tschechenbengel mit Dynamo Dresden Klamotte negativ auf, allerdings irgendwie passend zum ehemaligen Polizei- und Armeeclub aus Znojmo. Den Anstoß begleiten die Gästefans mit einem Trommelwirbel und Schlachtrufen und auch sonst kann man ihnen eine gute Mitmachquote attestieren, meist liegt sie zwischen 75% – dann ist einer Bier holen – und 100%, wenn alle am Start sind.

Die Heimmannschaft beginnt gut und hat in Person von Jakub Teplý die erste Chance, allerdings zeigt der Třinec-Keeper einen starken Reflex. Kurz danach schießt Javůrek neben das Tor und etwas später trifft er den Pfosten. Třinec lässt sich die Heimmannschaft 20 Minuten lang austoben, ehe Samiec den Stürmer Lukáš Buchvaldek auf die Reise schickt, dieser seine Hüfte gegen den Verteidiger gut einsetzt und dann den Ball zum 1:0 versenkt. Der Gast hat jetzt alles im Griff und durch Vaněk aus guter Freistoßposition die Chance zu erhöhen, allerdings über das Tor. Besser macht es mal wieder Buchvaldek, diesmal allerdings als Vorbereiter für den Slowaken Ilko. Dieser erhöht mit einem strammen Schuss auf 2:0, wobei der Ball dem Torhüter irgendwie komisch durchrutscht. Die zwei-Tore-Führung nach einer halben Stunde ist kaum gefährdet bis zum Halbzeitpfiff, nur eine Halbchance bekommen die Hausherren noch kreiert.

Neben dem obligatorischen Weg zum Bierstand, verbringe ich die Halbzeitpause damit, die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen und ein wenig zu dösen, während die Sonne nach und nach leider durch die angrenzende Sporthalle verdeckt wird.

Třinec hingegen ist auch in der zweiten Halbzeit wacher, weiß was es kann und spielt schnörkellos weiter und hat auch relativ fix die Chance zum 3:0. Der Schuss wird noch von der Linie gekratzt, vorher hatte Juřena den Keeper schon umkurvt. Viel mehr als nötig machen die Gäste offensiv dann aber auch nicht, stehen hinten recht sicher und so hat Znojmo auch nur noch eine Chance, besser gesagt eine Doppelchance, bestehend aus Lattentreffer und anschließendem Seitfallzieher. Die Heimfans nehmen es eher gelassen, viel erwartet man hier scheinbar nicht von der Heimelf. Selbst die beiden Typen vor mir im MANOWAR „Warriors of the world united“- und im ITACS (Israeli Tactical And Combat System) Shirt bleiben eher relaxt. Nach der verhinderten Vorentscheidung, Masař scheitert an Znojmos Keeper Koukala, schwächt sich die Heimmannschaft selbst, als Teplý nach einer Tätlichkeit mit Rot vom Platz fliegt und keine weiteren Chancen dazukommen. Das war es dann auch, die Gastmannschaft macht noch ’ne Welle vor ihren Fans und ich verlasse das Stadion.

Nach dem Spiel laufe ich zur Přemyslidenburg, auf dessen Gelände sich die frühmittelalterliche Rotunde St. Katharina befindet. Diese ist für ihre romanischen Fresken berühmt und somit eines der wertvollsten Denkmäler der Stadt. Zuerst erreiche ich die Vorburg mit der ehemaligen „Hostan“ Brauerei und siehe da, es wird wieder fleißig auf dem Brauereigelände geb(r)aut. Denn die „Znojemský městský pivovar“ (Stadbrauerei Znojmo) hat die Gebäude übernommen und stellt dort vier verschiedene Biere her. Allerdings wird auf dem Brauereigelände noch recht viel gebaut und man kommt nicht wirklich nah ran. Aber dafür gibt es auf dem Burgareal noch das „teraZa u Rotundy“, ein Bistro mit einer großen Terrasse.

Von dort hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt, den Fluss Dyje und das Znojemský Viadukt, über welches ich mich morgen mit dem Zug wieder in Richtung Österreich und dann weiter nach Aschaffenburg bewegen werde. Vorher aber soll genügend Zeit bleiben, um das örtliche Pivo und den Sonnenuntergang zu genießen… /hool