561 561 FUDUTOURS International 22.08.19 18:30:32

28.05.2018 IFK Malmö – KSF Prespa Birlik 2:1 (1:0) / Malmö Stadion / 154 Zs.

Nachdem wir den Junior vom nördlichen Allerød zum südlich gelegenen København Lufthavn gebracht haben, heißt es für uns den kompletten Weg auf der anderen „Motorvej“-Seite wieder zurückzulegen. Unser Zwischenziel ist fatalerweise Helsingør, um von dort weiter mit Fähre nach Helsingborg/Schweden überzusetzen. Dass wir diesen Weg auch noch zu sehr unchristlicher Zeit und durch den nicht zu verachtenden morgendlichen Berufsverkehr Kopenhagens auf uns nehmen müssen, macht die Sache natürlich nicht attraktiver. Hätten wir besser planen können! Schließlich liegt die Öresundbrücke nach Malmö direkt neben dem Flughafen in östlicher Richtung und zum Ferienhaus nach Höör wäre es auf diesem Wege auch einen Ticken kürzer gewesen. Ach, höör mir doch auf!

Aber natürlich machen wir aus der Not eine Tugend und schlagen nochmal im Border Shop zu. Eine 24er Ramme „Royal Export“ wandert in den Kofferraum des Tschechenbentley. Sie befindet sich dort in bester Gesellschaft, neben einigen Böhmischen Brauspezialitäten sind auch Hoolgers Rammen zur Verwahrung eingelagert. Nach den alkoholreichen Tagen im Staate Dänemark wollen wir den Montag alkoholfrei gestalten und dies kann nun also nur gelingen, wenn wir den Abend außerhalb des Ferienhauses verbringen, da die Versuchung sonst zu groß wäre. Da Schweden auf der anderen Seite nicht unbedingt dazu einlädt im Stadion alkoholmäßig einen drauf zu machen, wird es so ein Leichtes sein, abstinent zu bleiben. Die beiden Spiele Helsingborgs IF – Jönköpings Södra IF und IFK Malmö – KSF Prespa Birlik stehen zur Auswahl, wobei die letztgenannte Partie das Rennen macht. Erstens, weil ich eins meiner HIF-Trikots zu Hause vergessen habe, zweitens ich das Stadion in Helsingborg bereits besucht habe, allerdings vor den Umbauten, und wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, im Gegensatz zum Stadion in Malmö, dieses noch die nächsten Jahre besuchen können werden. Drittens ist der Weg nach Malmö kürzer und in Helsingborg waren wir heute auch schon unterwegs.

Auf dem Papier sieht die Paarung natürlich nach einem Sinnloskick aus. Die „Division 2 Västra Götaland“ (4. Liga) lässt kein gutes Spielniveau erhoffen und der IFK Malmö hat im Schnitt nur wenige hundert Zuschauer zu Gast. Allerdings gibt es, neben dem für schwedische Verhältnisse Ende Mai überragend warmen Wetter, einen durchaus wichtigeren Faktor. Das „Malmö Stadion“! Dieses feiert zufällig am heutigen Tag seinen sechzigsten Geburtstag!

Vorher suchen wir noch unser Ferienhaus auf: der Schlüssel ist unter der Terrasse deponiert, die Rammen ins Haus getragen, das Mittag schnell gekocht, der dazugehörige Schlaf erholsam und schwupps sitzen wir wieder im Auto. Es wird direkt der Parkplatz vor dem Stadion angesteuert und auf Sightseeing verzichtet, da uns die Innenstadt von Malmö bekannt ist. Diese wurde im Sommer 2014 vor dem Spiel Malmö FF – IFK Norrköping (3:0) besucht.

Weitere 154 Zuschauer betreten am heutigen Tage das Malmö Stadion, davon zahlen 116, inklusive uns, 100 Kronen Eintritt. Dieses wurde pünktlich für die WM 1958 am 28.05.1958 eröffnet, vier Spiele fanden hier statt. Die DFB-Elf spielte in zwei Vorrundenspielen und im Viertelfinale in Malmö. Die Argentinier spielten im Vorrundenspiel in IFK Malmö Trikots, weil sie keine Ausweichtrikots für die Partie gegen Deutschland dabei hatten. Die Ähnlichkeit zum „Nya Ullevi“ in Göteborg mit seinem geschwungenen Dach kommt nicht zufällig daher, so entwarfen die Architekten Jaenecke & Samuelson beide Stadien. Zur EM 1992 fanden hier drei Vorrundenspiele der Gruppe 1 statt, unter anderem spielte der spätere „McDonald’s“-Europameister aus Dänemark gegen England und Frankreich. Mit Ende der „Allsvenskan“ 2008 zog Malmö FF ins neugebaute und nur rund 100 Meter entfernte „Nya Malmö Stadion“. Im Pokal spielten sie allerdings seither noch einige Male an alter Wirkungsstätte. Ansonsten herrscht seitdem auf fußballerischer Ebene eher Langeweile im Stadion. Der aktuelle Hausherr IFK Malmö ist Gründungsmitglied der „Allsvenskan“ (1924) und spielte 15 Jahre in Schwedens höchster Spielklasse. Der größte Erfolg war die Vizemeisterschaft 1960 und das Erreichen des Viertelfinales im Europapokal der Landesmeister 1960/61 (IFK Norrköping verzichtete als Meister auf die Teilnahme). Die Saison 1962 war die bisher letzte in der „Allsvenskan“ für IFK, danach etablierte sich Malmö FF als klare Nummer Eins in der Stadt und auch im Land, so ist man mittlerweile auch Rekordmeister. Der Abriss des Stadions ist seit 2015 beschlossene Sache, dafür soll ein öffentliches Schwimmareal an gleicher Stelle entstehen. Viel getan hat sich seit diesem Beschluss nicht und so können wir heute hier dieses Kreuz machen. Für mich das achte der zwölf WM-Stadien von 1958.

So ist das Stadion der Star und auch der Star und die ganze Vogelschar sind im Stadion, speziell im Oberrang toben sie sich aus. So kann getrost behauptet werden, dass sich mehr Vogelscheiße auf den Sitzen befindet als Zuschauer. Auch die sanitären Anlagen sind in einem desolaten Zustand und nur aus fußballromantischer Sicht erfrischend.

Das Spiel der ersten Halbzeit ist von spielerischer Unzulänglichkeit auf beiden Seiten geprägt. So schlägt der IFK Stürmer in der ersten Chance des Spiels aus bester Torschussposition über den Ball. Im weiteren Verlauf werden Freistöße in der eigenen Hälfte ins Aus geschlagen, die Ballmitnahme wird regelmäßig vermasselt, es existiert kein Blick für den Mitspieler und auch das Festrennen mit dem Ball am Fuß ist in Mode. Selbst der Schiedsrichter passt sich dem Niveau an und pfeift mehrfach den Vorteil ab. Es ist von allen Seiten eher dürftig. Trotz allem ist IFK dominanter in der ersten Hälfte. Prespa Birlik trifft allerdings nach einem Pfostenschuss in der Anfangsphase, in Minute 43 auch das Tor! Der Torschütze Omar Khattab erzielt dieses im Fallen, dabei schaufelt er den Ball aus halbrechter Position im hohen Bogen ins lange Eck. Genauso – und nur so – konnte in diesem Spiel ein Tor fallen!

Zur Halbzeit betrete ich, wie auch einige andere vor mir und nach mir, den Stadioninnenraum. Ich schieße einige Fotos aus verschiedenen Perspektiven. Einige andere lassen ihre Kinder zwischen den Ersatzspielern herumspringen oder knipsen Selfies auf dem Rasen mit ihnen und der Tribüne samt geschwungenem Dach im Hintergrund. Andere Kinder springen auf der Hochsprunganlage, schwedisch sommerliche Gelassenheit allerorts!

Anders sieht es im Laufe der zweiten Halbzeit auf der Tribüne aus. Ein Anhänger vom KSF Prespa Birlik, welcher durchgehend seinen Unmut herausbrüllt, wird spöttisch von einem älterem IFK-Fan nachgeahmt (glaube, das Wort „Helvete“ (Hölle) herauszuhören…). Sekunden später sind er, dessen Halsschlagader sich in kürzester Zeit auf Naketano-Kordel-Größe aufpumpt und zwei seiner Mitstreiter bei dem älteren Herren vorstellig geworden. Es bleibt zum Glück nur beim verbalen Schlagabtausch und die Situation beruhigt sich wieder. Südländisches Temperament nennt man das, glaube ich. Passt gut zur Herkunft des Klubs, welcher von schwedischen Türken mit mazedonisch-türkischer Herkunft gegründet wurde. Diese stammen – oder haben Vorfahren – aus der Prespa-Region, welche heutzutage zu drei Staatsgebieten zählt und einen mazedonischen, einen albanischen und einen griechischen Teil hat.

Auf dem Platz ist die Mannschaft in der zweiten Halbzeit weit weniger leidenschaftlich. So kommt IFK in der 54. Minute durch Sami Güngör zum Ausgleich. Das Spiel ist dadurch spannend, aber weiterhin niveauarm. Viel gelingt den Feldspielern nicht auf dem Grün und auch der Gästetorwart hat so seine Probleme, kaum einen Ball kann er mal festhalten. Gut für ihn, dass der IFK Stürmer auch lieber den eigenen Spieler aus kurzer Distanz auf der Torlinie trifft als das Tor. „Gruselgrusel“, würde der Spreewaldschurke von sich geben, wenn er dabei wäre! Erst in der Nachspielzeit wird es wieder interessant. Der erst 16-jährige Mikael Marques de Pombal Vivar trifft doch noch das Tor (90.+2) zum 2:1. Prespa Birlik setzt kurz vor Spielende die letzte Chance nur an den Pfosten (90.+6). Nach dieser Szene ist Schluss. Ein Glück! Nüchtern war das kaum auszuhalten und ich frage mich, ob Fußball in Tschechien genauso „niveauvoll“ ist, wenn es nicht soviel preiswertes Bier am Spielfeldrand zu erwerben gäbe. Müsste man irgendwann einmal „ausczechen“! /hool