628 628 FUDUTOURS International 05.10.22 03:37:58

20.05.2017 1.SC Feucht – ASV 1860 Neumarkt 0:1 (0:0) / Waldstadion / 150 Zs.

Mai 2017. Der letzte Spieltag der zweiten Fußball-Bundesliga steht vor der Tür. Leider (?) hat der 1.FC Union Berlin seine Chance verpasst, in die Beletage des deutschen Fußballs aufzusteigen. Trotzdem fiebern Fetti und seine Freunde dem Ausklang einer gelungenen Saison erwartungsfroh entgegen. Und das bereits seit einem dreiviertel Jahr.

Dort begab es sich nämlich, dass mein rumänischer Kassenwart die Weichen für ein Sahnehäubchen zum Saisonabschluss legen konnte. Ein Hotelportal hatte mit der unschlagbaren Werbeaktion geködert, noch bis Ende des Jahres 2016 eine Hotelbuchung vorzunehmen, um als Gegenwert zwei geschenkte Nächte in einem „Hotel ihrer Wahl“ zu erhalten. Als „clever“ darf sich derjenige bezeichnen, der kurz darauf ein Zimmerchen in Kroatien mietet, auf den Eingang der automatisiert erstellten Gutschein-Aktionsmail wartet und dann die Kroatenkammer wieder storniert.

Einige Tage später flattert mir der Haken an der Gutscheinaktion in Form einer weiteren E-Mail ins Haus. Von zwei Nächten in einem „Hotel ihrer Wahl“ war die Rede, nicht aber davon, dass das Portal eine Vorauswahl stellen wird. So gehe ich genüsslich die Liste der 20 Hotels durch, die für die gratis Übernachtungen in Frage kommen. Ausschließlich Bumsdörfer am Arsch der Heide, die vermutlich vier Buchstaben auf dem KFZ-Kennzeichen führen, sind auf dieser aufgezählt. Fetti sieht sich vor seinem inneren Auge die Liste bereits zerknüllen und den rumänischen Kassenwart um die Ohren schmeißen, als dank des Hotels Nummer 18 große Freude ausbricht. Es steht auch ein Hotel in Fürth zur Auswahl! Zwar auch ein Bumsdorf am Arsch der Heide, aber wenigstens eines, das man im kommenden Jahr eh besuchen muss.

Nun schreiben wir also den 19.05.2017. In Berlin tobt das Fest der Nachbarn. Ich muss eigentlich bis um 21.00 Uhr arbeiten, mein Zug nach Fürth wird den Berliner Hauptbahnhof um 19.27 Uhr verlassen. Aufmerksame Beobachter stellen bereits jetzt fest, dass es logistische Hürden zu überspringen gilt. Dank eines ausgeklügelt vorgetragenen Vorwands verlasse ich die Veranstaltung frühzeitig und sitze kurz darauf gemeinsam mit einer Kindergruppe in dem ICE nach Nürnberg und führe ein angenehmes Gespräch mit zwei Jungen, die sich auf dem Weg zu ihrer Klassenfahrt befinden. Naja, so komm‘ ich wenigstens auch heute auf meine Arbeitszeit.

Günter ist aus Malta in der Zwischenzeit sanft und sicher im Nürnberger Dürerbunker gelandet. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit kann uns in unserem geschenkten Hotel heute Abend leider niemand persönlich empfangen. Im Vorlauf der Reise war allerdings per E-Mail verabredet worden, den Zimmerschlüssel in einem Geheimfach für uns zurückzulegen. Nun tigert Günter also in geheimer Mission durch die Fürther Vorstadt, auf der Suche nach dem magischen Schlüssel unweit des 1. Golfclub Fürth und des Atzenhofs, während ich knapp eine halbe Stunde Verspätung sammeln und in Nürnberg meinen Anschlusszug nach Fürth verpassen werde. Stilecht ruft mich Günter aus dem Hotelzimmer an. Mit dem subversiven Check-In hat also schon einmal alles geklappt und nun weist er mich freundlicherweise darauf hin, dass ich lediglich bis Fürth-Unterfarrnbach fahren müsste und er mich dort abholen würde.

Es ist mittlerweile Samstag, 0.49 Uhr. Ich verlasse als einziger mitten in der fränkischen Prärie freiwillig den Zug. Ein kalter Wind weht über den S-Bahnhof. Keine Menschenseele zu sehen. Ich setze eine kurze Notruf-SMS ab und kehre dann im überraschenderweise noch geöffneten Burger King ein, um mir einen Kaffee zu kaufen. Kaum habe ich die Bestellung aufgegeben, tippt man mir von hinten auf die Schulter. Glücklicherweise ist es Günter und so endet die Geschichte nicht als zerstückelter Großstadttourist, der auf dem Land Bekanntschaft mit irgendwelchen pervertierten Menschenseelen machen musste.

Gemeinsam laufen wir die Unterfarrnbacher Straße entlang. Schön, dass Günter bereits ausgeklügelt hat, in welche Richtung man die beiden kommenden Weggabelungen Unterfarrnbacher Straße Ecke Unterfarrnbacher Straße und Unterfarrnbacher Straße Ecke Unterfarrnbacher Straße verlassen muss, um das Hotel in der Unterfarrnbacher Straße erreichen zu können. Dort angekommen, nehme ich wohlwollend zur Kenntnis, dass mir Günter aus dem umfangreichen Zeitschriftensortiment des Hotels eine „Praline“ auf das Kopfkissen gelegt hat. So gehört sich das in einem Vier-Sterne-Hotel!

Am nächsten Morgen empfängt uns der Rezeptionist gut gelaunt. Meine unausgesprochene Sorge, er würde monieren, dass dem Hotelportal aufgefallen sei, dass uns der Gutschein nicht zusteht und wir bezahlen müssten, schiebt er mit einer herzlichen Einladung zum Frühstücksbuffet bei Seite. Ach, das ist auch noch kostenlos? Was man nicht alles in zwei Semestern Gutscheinbetrug und Bilanzenfälschung lernen kann, denke ich mir und schicke im Geiste Grüße an meinen Kassenwart. Etwas Landluft aus der ruralen Umgebung wabert durch das Treppenhaus und den Frühstückssaal und ich bin meinen Eltern plötzlich unheimlich dankbar, dass ich als Kind nie Urlaub auf dem Bauernhof machen musste.

Gut gesättigt begeben wir uns auf den Weg zum S-Bahnhof Unterfarrnbach. Heute steht für uns ein Besuch der Bayernliga Nord auf der Agenda. Und auch diesbezüglich gilt es einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, war doch die Planungsphase des heutigen Tages eine der schönsten, die jemals bei FUDU durchlitten worden ist.

Idee 1: Wir besuchen alle gemeinsam ein Spiel der SpVgg Bayreuth, die aktuell im wunderschönen Waldstadion Weismain spielt. Günter freut sich bereits auf seine „Weismain-Schorle“!

Haken 1: Das Spiel findet leider im Bayreuther Hans-Walter-Wild-Stadion statt.

Idee 2: Ein Teil der Reisegruppe möchte dennoch dieses Spiel besuchen, in Bayreuth nächtigen und dann von dort aus kommend am Sonntag in Fürth zum Rest der Gruppe dazustoßen. Günter dazu trocken: „Jeder, der schon einmal da gewesen ist, hat das später bayreuth“!

Haken 2: In Bayreuth findet an diesem Wochenende das „Maissel’s Weißbierfest 2017“ statt. Es treten auf: Alphaville und Nena. Da die Gruppe weder aus Taubstummen besteht, noch gewillt ist, die abnormen Hotelpreise zu zahlen, fällt die Übernachtungsidee ins Wasser.

Idee 3: Der Teil der Gruppe will nur das Spiel in Bayreuth schauen, danach genauso wie wir in Fürth nächtigen. Der Hoollege lädt ein, Teil seiner Reisegruppe zu werden: „For Fürther information please contact me!“

Haken 3: Das Spiel der SpVgg Bayreuth wird auf Freitagabend verlegt.

Idee 4: Der Rest der Gruppe hat die Nase voll von Franken und entscheidet sich, via Tachov in Tschechien nach Fürth zu reisen. Günter und ich bleiben alleine zurück und besuchen ein Spiel des 1.SC Feucht. Günter setzt einen Strich unter die intensive Vorbereitung: „Feucht steigert wenigstens die Klickzahlen!“

 

Nun stehen wir also am Bahnhof und werfen einen Blick auf die Landkarte. Das dort aufgefundene magische Städtedreieck, bestehend aus Feucht – Spalt – Rohr, versetzt uns genauso in Verzückung wie die Graffitikultur um uns herum. Wer „Döner“ an die Lärmschutzwand kliert, den Fahrkartenautomaten mit einem markigen „Fahrt schwarz!“ versieht und die Baustellentür mit „Ausgang für Sprüher“ kennzeichnet, hat sich eine Erwähnung in diesem Blog definitiv hart erarbeitet.

Die Überfahrt mit der S-Bahn von Fürth nach Feucht dauert lediglich 25 Minuten und geht leicht von der Hand. Günter kämpft mit seinen Kontaktlinsen, stellt dann aber berechtigterweise fest: „Wenn man die Linsen irgendwo Feucht kriegt, dann ja wohl in Spalt!“.

Keine drei schlechte Scherze später stehen wir nach einem ausgiebigen Stadtbummel auch schon vor dem Waldstadion in Feucht (3.500 Plätze), in dem der örtliche 1.SC heute im Abstiegskampf seine oberpfälzischen Gäste aus Neumarkt empfangen wird. Ich nehme am Kassenhäuschen wohlwollend zur Kenntnis, dass der 1.SC Feucht wieder dazu übergegangen ist, sein Traditionswappen zu nutzen und dass der alberne MS-Paint-Entwurf mit Copy-and-Paste-Fußball, mit dem man irgendwann in den frühen 2000’er Jahren in der Regionalliga Süd an den Start gegangen war, der Vergangenheit angehört.

Weniger erfreut mich hingegen die Gestaltung der Eintrittspreise. Knackige 8 Euro verlangt man hier für einen Stehplatz auf der kleinen Gegengerade. Egal, für Fetti ist das eine echte Herzensangelegenheit, heute ist auch er ein Feuchter Futzi, der im Überlebenskampf am unteren Ende der Tabelle der Bayernliga sein letztes Hemd geben würde!

Die Vorzeichen der Partie sind klar verteilt. Der 1.SC Feucht muss an diesem heute stattfindenden 34. Spieltag gewinnen und gleichzeitig darauf hoffen, dass die SpVgg Weiden in ihrem Auswärtsspiel keinen Punkt holt, um den Klassenerhalt feiern zu können.

Wir decken uns mit Bier und Wurstspezialitäten ein. Im kleinen Fanshop gibt es eine etwas sonderbare Preisstruktur festzustellen und so kann man dort beispielsweise einen Aufkleber für 1,50 € und eine goldene Ehrennadel für 2,50 € erwerben. Günter schlägt zu und dekoriert seine Hose mit der wirklich hübschen Nadel. Mit nun Feuchter Buchse ausgestattet und mit bestem Blick auf die kleine Haupttribüne erwarten wir ein großes Spiel, welches man schlagzeilenträchtig „S3-Derby“ nennen könnte…

… und welches dann 45 Minuten später ereignislos beim Stand von 0:0 abgepfiffen wird. Den fränkischen Fußballexperten um uns herum gelingt es, das Spiel bestens zusammenzufassen: „Eine Kaddasdrofe!“. Im Nachgang darf lediglich die gelbe Karte des 1.SC Akteurs Eckert Erwähnung finden. Seine 18. Verwarnung im laufenden Wettbewerb ist durchaus eine hemdsärmelige Anerkennung wert!

Die zweite Halbzeit verläuft auf einem ähnlich dürftigen Niveau. Wir haben Gelegenheit, uns mit den Feinheiten der Aufstellungsbögen zu beschäftigen und entdecken im Kader des 1.SC Feucht einen alten Bekannten wieder. Andreas Sponsel hütet das Tor, bekannt aus Erfurt und allein das ist für alle „MDR – Sport im Osten“ Zuseher natürlich Grund genug, um vor Verzückung an die Decke zu gehen.

Auf dem Rasen bieten sich für beide Mannschaften immer nur dann kleinere Gelegenheiten, wenn der Gegner durch eklatante Fehler im Spielaufbau oder Stellungsspiel herzlich zum Torabschluss einlädt. Der 1.SC Feucht ist erschreckend schwach und hat unter dem Strich heute keinen Heimsieg verdient. Und so begräbt die Gastelf aus der Oberpfalz, die heute die etwas bessere zweier schlechter Mannschaften ist, sämtliche Klassenerhaltshoffnungen des 1.SC nach gut einer Stunde, als Selim Mjaki mit seinem vierten Saisontreffer den Auswärtssieg unter Dach und Fach bringt. In der Nachspielzeit lässt der ASV gar noch eine glasklare Torchance liegen. Nichtsdestotrotz können sie als Aufsteiger der Bayernliga mit ihrem fünften Tabellenplatz sehr zufrieden sein, während der 1.SC Feucht nun den Gang in die Relegation antreten muss und sich dort in gut zwei Wochen mit dem FSV Erlangen-Bruck duellieren wird.

Wir lassen den Nachmittag in der wirklich schönen Stadiongastronomie ausklingen. Man genießt ein gutes Schnitzel und dazu lädt die SKY-Konferenz des 34. Spieltags der Fußball-Bundesliga zum Verweilen ein. Hertha BSC kassiert sechs Gegentreffer von Bayer Leverkusen und in einem wunderbaren Schlussspurt im Abstiegskampf reißt der HSV den VfL Wolfsburg in der 88. Minute ins Verderben. Fußballherz, was willst Du „more“?

Am frühen Abend stoßen dann auch die „Tschechen“ zu unserer Kleingruppe und gemeinsam machen wir das Grüner Brauhaus und einige andere Fürther Kneipen unsicher. Ein etwas längerer Spaziergang bei nächtlicher Kälte kann dann dafür sorgen, dass man sich das letzte Bier direkt wieder aus dem Schädel laufen kann. Im Hotel angekommen, fällt mein Blick auf eine lokale Tageszeitung. „Der Bote“ aus Feucht weiß zu berichten, dass auch der 1.SC große Ambitionen hegt. Das „Projekt 2020“ wird auf einer Doppelseite der interessierten Fachöffentlichkeit vorgestellt. Dieses besteht daraus, neben einer Jugendakademie auch einen Nebenplatz aus Kunstrasen hinter dem Stadion zu errichten, um langfristig mehr Spieler für den 1.SC begeistern zu können. Fetti legt die Stirn in Sorgenfalten. Ob das Projekt nach einem vermeintlichen Abstieg nur ein Feuchter Traum bleiben wird? /hvg