827 827 FUDUTOURS International 16.04.21 01:03:00

22.06.2019 Werderaner FC Viktoria 1920 – FC Eisenhüttenstadt 1:4 (0:2) / Arno-Franz-Sportplatz / 88 Zs.

Einen Tag nach Beginn des kalendarischen Sommeranfangs zieht es Fetti erneut hinaus nach Brandenburg. Die „Region“ (immer noch nicht tot, obwohl Energie Cottbus vor gut vier Wochen nach einem Herzschlagfinale gegen Eintracht Braunschweig aus der dritten Liga abgestiegen ist) wartet heute mit angenehmen 26°C auf und bietet einen bunten Strauß der Möglichkeiten. Was darf es sein? Lübben, Sachsenhausen, Senftenberg, Guben, Premnitz oder Luckau?

Und dann wäre da noch Werder an der Havel. 26.412 Einwohner, vor den Toren Potsdams gelegen, wasserreich und dem Vernehmen nach sehr schön, so jedenfalls die Berichte all derjenigen, die im Verlauf ihres Lebens irgendwann einmal auf dem „Baumblütenfest“ zu Gast waren. Ich jedoch habe da ein Trauma von 2011 noch nicht überwunden, als FUDU auf der Rückfahrt aus Bochum (0:3 verloren) die Wege mit „Baumblütenfest“-Besuchern kreuzte und die letzten 45 Minuten der ohnehin schon beschwerlichen Wochenendticket-Reise noch beschwerlicher wurden. In Erinnerung geblieben sind betrunkene Menschen, blinkende Lichter an Strohhüten, schwarz-rot-güldene Hawaiiketten und tätowierte Katzentatzen auf solariumsgegerbter Lederhautbrust. Kurzum: Ich muss mich schleunigst informieren, ob dieses furchtbare Fest nicht zufällig ausgerechnet heute stattfindet.

Eine kurze Recherche später ist klar, dass das Fest traditionell immer in der Woche um den ersten Mai herum stattfindet und ich nichts zu befürchten habe. Außerdem fällt ins Auge, dass Werder an der Havel als „staatlich anerkannter Erholungsort“ geführt wird und unter diesen Vorzeichen kann es ja gar keinen besseren Ort geben, um die Saison 2018/19 zu einem versöhnlichen Abschluss zu bringen.

Um 11.59 Uhr verlässt der RE1 den Berliner Ostbahnhof. Die „Deutsche Bahn“ hat umgehend auf die Brandenburger Erderwärmung reagiert und den Zug auf gefühlte -18°C heruntergekühlt. So erreicht der geneigte Fahrgast den Bahnhof Werder(Havel) 46 Minuten später nicht etwa durchgeschwitzt, sondern schockgefrostet. Interessant wäre es zu wissen, wie viel Prozent des Fahrpreises in Höhe von 3,60 € in der letzten Dreiviertelstunde direkt durch den Betrieb der Klimaanlage aufgefressen worden sind. Fetti zittert jedenfalls noch ein wenig, als die Kühlkette endlich unterbrochen ist und er erste Blicke auf das vielversprechende Bahnhofsgebäude in gelbem Klinker werfen kann. Wenn die Stadt der Schönheit dieses Empfangsgebäudes in nichts nachstehen würde, dann könnte das hier ein richtig angenehmer Aufenthalt werden.

Um dies zu verifizieren, führt Fettis Spaziergang geradewegs vom Festland auf die historische Altstadtinsel, die den Kern der Stadt beherbergt und Namensgeberin der Stadt ist. Der Begriff „Werder“ ist nämlich nicht mehr und nicht weniger als eine topografische Bezeichnung für Flussinseln, womit wir auch unserem Bildungsauftrag an dieser Stelle nachgekommen wären.

In den kleinen Gassen der Altstadt herrscht eine verschlafene Gemütlichkeit, nirgendwo liegt Müll herum, nirgendwo riecht es nach Urin und man muss auch nicht bei jedem Dritten entgegenkommenden klären, ob dieser einfach nur mit dem Headset telefoniert oder wirklich einen an Waffel hat, was sich in Berlin bekanntlich in etwa die Waage hält. Ich gebe es zu, etwas habe ich mich von meiner einstigen Lieblingsstadt in den vergangenen Jahren schon entfremdet. Hier grüßen sich die Fahrradfahrer gegenseitig, zugezogene Studentinnen, die in Potsdam demnächst Sinnlosologie studieren werden, sonnen sich auf den saftigen Havelwiesen, von vorbeifahrenden Booten wird freundlich gewunken und alles ist ja so schön grün und ruhig. Dürfte man hier eigentlich auch herziehen, wenn man keine Kinder hat? Frage für einen CDU-Wähler!

Fetti erteilt mir dann glücklicherweise die Absolution, das hier alles toll finden zu dürfen, ohne sich dabei zu spießig zu fühlen. Ich darf mich also an der idyllischen Inselsilhouette mit Heilig-Geist-Kirche (1858) und der Bockwindmühle erfreuen, ohne ein schlechtes Gewissen zu empfinden.

Bockwindmühlen wurden in Deutschland erstmals zu Beginn des 15. Jahrhunderts errichtet. Dieses Exemplar hier ist leider nicht ganz so historisch, wie es zunächst den Anschein macht. Ich zitiere von der Stadtwebsite: „Fassungslos und erschüttert waren die Bewohner der Stadt im Dezember 1973, als nach einem Brand der Mühlenberg seines traditionsreichen Wahrzeichens beraubt wurde. Ein Wiederaufbau war aufgrund der schweren Beschädigungen unmöglich. Engagierten Werderanern – die sich mit dem Verlust nicht abfinden wollten – und der damaligen Stadtverwaltung gelang es, 1985 eine gleichartige und bis auf die Flügel recht gut erhaltene Mühle in Klossa bei Jessen aufzuspüren und für 6000 DDR-Mark zu kaufen. Nach dem Abbau wurden die einzelnen Teile erst einmal fachgerecht eingelagert und bearbeitet. Mit dem überaus mühsamen Wiederaufbau begannen private Mühlenfreunde aus der Stadt, ihres Zeichens Fachleute aus verschiedensten Gewerken, im Jahr 1987. Die Einweihung der neuen alten Mühle wurde 1991 gefeiert und im August 1993 drehten sich beim 1. Mühlenfest erstmals wieder ihre Flügel.“ Dafür verdient sich das auf dem Mühlenberg und in nächster Nähe gelegene „Historische Rathaus“ von 1879 seinen Namen aber allemal und weiß ebenfalls optisch zu überzeugen.

An der Nordspitze selbiger Insel befindet sich auch der „Arno-Franz-Sportplatz“, der an drei von vier Seiten mehr oder minder unmittelbar von der Havel umschlossen ist. Bereits eine Stunde vor Spielbeginn führt der gastgebende Verein einen Soundcheck durch, während ich mir mit pausierenden Wanderern eine Parkbank teile und mir mit Blick auf das Wasser die Sonne ins Gesicht scheinen lasse. Die Ruhe wird nicht einmal durch den Gästemob gestört, der ebenfalls am Ufer entlang flaniert und die Vorfreude auf das Stadionerlebnis in mir weckt. Ein Spiel in der Brandenburgliga mit Gästefans? Da ist eine volle Hütte garantiert…!

Fünf Euro sind heute zu berappen, um den Sportplatz betreten zu dürfen. Dieser wartet mit einer Stahlrohrtribüne mit grünen Schalensitzen auf und bezieht seinen Charme nicht nur aus seiner einzigartigen Wasserlage, sondern auch durch die herausgeputzten Schrebergärten, die sich direkt hinter und neben der Tribüne befinden. Die rostige Reling könnte man zum 100-jährigen Vereinsjubiläum eventuell mal neu streichen, dennoch bereitet dieser Ort schon jetzt richtig Laune und hätte eigentlich gar nicht durch ein Bier aufgewertet werden müssen, aber was soll man machen, wenn der Arzt doch empfiehlt, immer ausreichend zu trinken. Für mein Bier (2,50 €) halte ich einen 5 € Schein bereit und schnell ist mit dem guten Mann hinter mir ausgetüftelt worden, dass ich einfach sein bereitgelegtes Kleingeld vom Tresen nehme und sein Bier von meinem Schein mitbezahle. Diese Rechnung haben wir aber ohne den Schankwart gemacht, der zwar mit dem Rücken zu uns steht, aber trotzdem mitbekommt, wie ich das Kleingeld einstecke und der nun im Glauben, mich einen perfiden Diebstahls überführt zu haben, das Zapfen einstellt und mich zur Rede stellt. „Hey Freundchen, lässte dit mal da liegen? Dit is mein Jeld!“, womit die Eigentumsverhältnisse genau genommen auch nicht korrekt widergespiegelt wären. „Dit sieht jetzt erst mal komisch aus, aber dit is sein Wechseljeld“, versucht der Mann hinter mir die Sachlage zu klären und so schnell, wie der Wirt an die Decke gegangen ist, ist er nun auch wieder besänftigt.

Auf den Schreck brauche ich erst einmal ein Bier. Neben der Tribüne lasse ich mich im grünen Gras nieder, verabschiede mich von Schuhen und Socken und fläze mich in die Sonne. Der Stadion-DJ legt die gleiche CD auf, die bereits in Amager gespielt wurde, mit dem Unterschied, dass die Musik heute zu Wetter und Stimmungslage passt. Aus den angrenzenden Schrebergärten, die ihre Eingangstüren kurioserweise in Richtung Platz haben, haben erste Menschen Sonnenstühle in den Hintertorbereich getragen und es sich ebenfalls bequem gemacht. Am Ende werden neben diesen schmarotzenden Kleingärtnern immerhin noch 88 zahlende Zuschauer, darunter 18 aus Eisenhüttenstadt, registriert werden.

Vor Spielbeginn verabschiedet der Werderaner FC Viktoria verdiente Spieler mit üppig gefüllten Präsentkörben, der Rasen muss noch eben schnell von aus dem Gästeblock geworfenen Papierschlangen befreit werden und schon eröffnet FUDUs treuer Wegbegleiter Toni Bauer die Partie des 30. und letzten Spieltages der Brandenburgliga. Werder befindet sich auf einem tiefenentspannten 9. Tabellenrang, während sich der einstige Europapokalteilnehmer aus Eisenhüttenstadt (1991/92 im Europapokal der Pokalsieger gegen Galatasaray), der leider zur Saison 16/17 seinen Traditionsnamen „Stahl“ und das dazugehörige Logo abgelegt hat, heute mit aller Macht gegen den Abstieg stemmen muss. Aktuell hat man einen Punkt mehr auf der Habenseite als die Teams aus Brieselang und Blankenfelde-Mahlow, die auf den Abstiegsplätzen rangieren. Diesen Vorsprung gilt es heute über die Ziellinie zu retten – klar, dass die Fanszene von „Hütte“ da mobilisiert hat!

Um 15.02 Uhr habe ich meinen ersten Ballkontakt und werde mit einer Passquote von 100% in die Statistik dieses Spiels eingehen. Die Locals am Bierstand hatten sich bereits lang und breit darüber unterhalten, wie viele Stammspieler den Werderanern heute aus unterschiedlichsten Gründen fehlen würden und dass das Trainergespann Hecht / Nitzsche „das komplette Team“ habe umbauen müssen. Keine Quelle ist seriös genug, um nicht wenigstens einmal kurz überprüft zu werden und schon stellt sich heraus, dass nur vier Änderungen im Vergleich zur Vorwoche vorgenommen werden mussten, dennoch wirkt Werder in der Anfangsphase alles andere als sortiert.

Georges Florent Mooh Djike setzt den ersten sehenswerten Akzent, indem er die gesamte Hintermannschaft der Werderaner zu Fahnenstangen degradiert. Sein beherztes Solo endet jedoch mit einer guten Parade der etatmäßigen Nummer 2, Jan-Niklas Rauch (8. Minute). In der 20. Minute gelingt dem zweiten Afrikaner in Diensten des FCE, den sie alle nur „Hermann“ rufen, mit einem trockenen Fernschuss der Führungstreffer. Während ich zunächst von einem mittelmäßig amüsanten Spitznamen ausgehe, verschafft eine nachträgliche Recherche Klarheit. Der gute Mann heißt wahrhaftig Hermann Wamba Tsafak, kommt aus Kamerun und hat 20 Minuten lang derart auffällig agiert, dass man ihm gerne Torjägerqualitäten unterstellt hätte. FUDU ist jedoch soeben Zeuge seines allerersten Saisontreffers geworden. What Tsafak?

Spätestens nach 35 Minuten hätten die Gäste einen Ausbau der Führung verdient gehabt. Der quirlige Außenbahnspieler Hoang Sa Nguyen Ngoc hatte sich mit einem schnellen Dribbling durchsetzen können, seine scharfe Hereingabe wird von Djike per Direktabnahme nur knapp am linken Pfosten vorbeigelegt. Werder lässt nur gelegentlich mit Versuchen aus der Distanz aufhorchen, während die Gäste kontinuierlich mit Spielwitz und Tempo überzeugen. Ngoc und Djike krönen die erste Hälfte in der Nachspielzeit mit einem fantastischen Doppelpass, der nicht nur die gegnerische Defensive alt aussehen lässt und Ngoc hervorragend freispielt, sondern von diesem auch noch formvollendet im kurzen Eck untergebracht werden kann. Der Stadionsprecher nennt „die Nummer 23 Krüger“ als Torschützen, woraufhin sich der Vietnamese umdreht, die Faust ballt und einen Jubelschrei in die eigene Verteidigungsreihen sendet: „Jawohl, Johann!“.

Mit diesem Bonmot enden die ersten 45 Minuten, die unterhaltsamer kaum hätten sein können. Weniger erfolgreich geht es beim Grillmeister zu, der noch immer kein Essen für das hungrige Publikum zur Verfügung gestellt bekommen hat und so naturgemäß auch nichts auf den Rost legen konnte. Aber auch hier weiß man sich zu helfen: „Hab ’n paar Pizzen beim Italiener bestellt, müssten eigentlich gleich da sein!“, vertröstet der Caterer von Welt die wartende Meute und Fetti gibt sich angesichts dieser Unverbindlichkeit mit einem zweiten Stadionbier zufrieden.

Das Spiel braucht auch in der zweiten Hälfte keine lange Anlaufzeit, bis alle Akteure auf Betriebstemperatur sind. Gerade einmal fünf Minuten sind gespielt, als Rauch eine eher harmlose Flanke von der linken Seite nach vorn prallen lässt und sich dann entschließt, den zum Einschuss bereitstehenden „Hermann“ nach allen Regeln der Kunst im Strafraum umzunieten. Kapitän Tony Wernicke verwandelt den fälligen Strafstoß zum 0:3 sicher und der Klassenerhalt für „Hütte“ scheint so gut wie gesichert.

Doch diese Rechnung hat der FC Eisenhüttenstadt ohne den in der 53. Minute eingewechselten Mateuz Wallroth gemacht. Gerade einmal drei Minuten benötigt der Joker, um den Anschluss für Werder herzustellen. In der Vorwoche stand Wallroth übrigens noch in der Startformation – den Umbau des Teams hätte es zumindest an dieser Stelle also nicht zwingend gebraucht. Plötzlich droht das Spiel zu kippen. Bei den Mannen aus Eisenhüttenstadt setzt das Nervenflattern ein und Werder übernimmt das Zepter. Wer weiß, wie die Partie wohl weiter verlaufen wäre, hätte Ferdinand Becker in der 63. Minute die Riesenchance auf das 2:3 genutzt. Eisenhüttenstadts Trainer versucht von der Seitenlinie lautstark wieder Spannung in seine Mannschaft zu bekommen und auch die mitgereisten Fans pushen emotional und versuchen, den Gegner in nervenaufreibende Streitgespräche zu verwickeln. Torwart Rauch hat es nicht leicht und muss den einen oder anderen derben Kommentar über sich ergehen lassen. „Halt Dein Maul und geh in Dein Tor, Du Affe!“, ruft ein Pöbler und hat in dem Moment wahrscheinlich gar nicht auf dem Schirm, dass er sich nicht als Teil einer anonymen Masse in einem Stadion mit 60.000 Zuschauern befindet, sondern auf einem Sportplatz, auf dem Herr Rauch nach Abpfiff ohne jedwede Probleme auch mal persönlich „Guten Tag!“ sagen kommen könnte.

Die Emotionalität von außen scheint den Spielern des FC Eisenhüttenstadt jedoch gut zu tun. Sie hilft deutlich sichtbar dabei, die Druckphase der Hausherren zu überstehen und sich nach und nach freizuschwimmen. Ein erster taktischer Wechsel sorgt für weitere Ordnung im Mannschaftsgefüge, ehe man nach einer simplen kurzen Ecke und einer Flanke auf den zweiten Pfosten durch Siemund mit 4:1 in Führung gehen kann. Eine Viertelstunde ist die Sache somit entschieden und das letzte Spiel der Saison plätschert gemächlich seinem Ende entgegen. Für den letzten Lacher sorgt wiederum Hoang Sa Nguyen Ngoc, der nach seiner Auswechslung in Minute 78 bei seinem Sprint in die Kabine noch höhere Geschwindigkeiten erreicht, als auf seinen unzähligen Außenbahnläufen auf dem Feld. Nach seiner Rückkehr wird er von den Fans gleichermaßen geherzt und aufgezogen: „Du siehst so erleichtert aus. Brauchen wir neues Klopapier?“. Die Antwort geht im Jubel unter. Vielleicht stand ihm ja auch nur die Erleichterung über den geglückten Klassenerhalt ins Gesicht geschrieben.

Mich zieht es nun in das Herz der Altstadtinsel, wo man meinen Hunger hoffentlich besser stillen kann als am Grillstand des Werderaner FC Viktoria. „Am Markt“ gibt es nicht nur etliche liebevoll sanierte Häuschen zu bestaunen, sondern mit einem Besuch des unscheinbaren Ladens „Pizza in Piazza“ auch noch einen echten Volltreffer zu landen. Von außen betrachtet sieht die Bude so aus, als würde man gleich Analogkäse und Formfleischschinken über sich ergehen lassen müssen, doch öffnet man die Tür, steht man plötzlich mitten in Italien. „Ciao, Buona Sera“, wird man von Inhaber Adolfo Ferraro freundlich begrüßt und bekommt eine waschechte Diavolo aus dem Steinofen für gerade einmal 5,90 € auf rot-weiß-karierter Trattoria-Tischdecke serviert. Plötzlich fällt mir der schmissige Marketingclaim von „Havelland Tourismus“ wieder ein, auf den ich heute Morgen im Zuge der Suche nach den Terminen des „Baumblütenfest“ gestoßen war und der mich ein wenig amüsiert hatte. „Werder – Ein Hauch von Toscana mitten in Brandenburg“. Nun gut, da könnte man jetzt schon drüber streiten, inwieweit Bockwindmühlen aus Klossa bei Jessen was mit der Toscana zu tun haben. Auf jeden Fall für heute aber genug Hauch, um mich endgültig darüber hinwegzutrösten, dass ich aus Gründen schweren Herzens auf eine Reise zur U21-EM in Bella Italia verzichten musste. Viel schöner hätte es rund um die Partie España – Polska in Bologna kaum werden können…

Während ich um kurz nach 18 Uhr in der Regionalbahn sitze, bereiten sich die Stadtväter Werders womöglich gerade auf ihre nächste Sitzung vor. Das „Baumblütenfest“ mit mittlerweile durchschnittlich 500.000 (!) Besuchern ist nämlich auch den Verantwortlichen ein Dorn im Auge und so ist man aktuell fieberhaft auf der Suche nach neuen Konzepten für 2020. Geplant ist, den Suffrummel von der Altstadtinsel zu verbannen und sich wieder darauf zu besinnen, was das „Baumblütenfest“ im Ursprung einst darstellte. Wenn alles gut läuft, öffnen 2020 also wieder nur noch die Obstbauern ihre Plantagen und Höfe und Anwohner ihre Gärten für ein kleines Publikum. In gemütlicher Runde werden dort süffige lokale Obstweine zur Verköstigung angeboten, während das Hillbilly-Volksfest ersatzlos gestrichen wird – und das wiederum würde wohl all die furchtbaren Strohhüte, Hawaiiketten und Katzentatzen ein für allemal aus Werder verbannen. 2020 könnt ihr also jederzeit einen Abstecher in die „Blütenstadt“ unternehmen. Toscana geht immer. Sogar rund um den ersten Mai. /hvg