927 927 FUDUTOURS International 25.11.20 01:05:09

30.05.2019 Lyngby BK – Vendsyssel FF 2:1 (2:1) / Lyngby Stadion / 4.832 Zs.

Es ist vollbracht – der 1.FC Union Berlin ist in die Fußball-Bundesliga aufgestiegen! Eine rauschende (Montag-)Nacht und zwei weitere Tage voll der Feierlichkeiten liegen hinter Fetti und seinen Freunden, natürlich alles eingebettet in einen gutbürgerlichen Arbeitsalltag. Mittlerweile ist es Donnerstag geworden und endlich sieht auch der Gesetzgeber einen offiziellen Feiertag für die feierwütige Meute vor, weil Christus irgendwann irgendwie in den Himmel gefahren ist. Betrachtet man die letzten Tage rückwirkend, so ist es doch immer wieder bedauerlich, dass Feiertage nicht auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt werden, sondern man lediglich aus solch nichtigen religiösen Gründen zur Niederlegung seiner Arbeit gezwungen wird. Wie dem auch sei, FUDU hat sich schon längst gedanklich von Punktspielen in Sandhausen und Heidenheim verabschiedet und reagiert geschickt auf den geschenkten Donnerstag, proklamiert den Freitag als Brückentag und reist nach Dänemark. Ab sofort geht es für uns nämlich nur noch hoch hinaus: Internationaler Fußball, Champagner und Champions League!

Der Start in das verlängerte Wochenende verläuft nach dem kräftezehrenden Wochenauftakt etwas mühsam, trifft man schließlich bereits um sieben Uhr in aller Herrgotts-Himmelfahrtsfrüh im Friedrichshain aufeinander. Der „Japserati“ des FUDU-Pärchens ist bereits auf Hochglanz poliert und feiert heute ein gutes halbes Jahr nach seiner Taufe endlich seine Reisepremiere. Zwar fällt er insgesamt eine Nummer kleiner aus als der altehrwürdige „Tschechenbentley“, der Kofferraum ist jedoch nach wie vor groß genug, um neben dem obligatorischen Kasten „Berliner Pilsner“ auch eine erlesene Auswahl Softdrinks zu fassen. Und so freut sich die Reisegruppe darüber, dass sich alle Automatismen, die sich seit Jahren etabliert haben, auch mit dem neuen Gefährt problemlos fortsetzen lassen. Champions-League-Finale in Dänemark geht eben nur mit Mate zum Frühstück – und schon wird der Tag zum Freund!

Ohne jeden Zeitstress rollt der „Japserati“ mit seinem bundesligatauglichen Füllgut in Rostock ein. Die Fähre nach Gedser verlässt pünktlich um 11.00 Uhr den Fährhafen und schätzungsweise zwei Minuten nach Öffnung des „BorderShop“ nehmen sich die beiden Herren der Reisegruppe das, was ihnen zusteht. Palettenweise Dosenbier und eine Stiege „Faxe Kondi“ wechseln den Besitzer. Erschwert wird der Einkauf durch die bloße Anwesenheit einer weiteren Männergruppe, die sich gewissenhaft auf den Herrentag vorbereitet. Aber nicht jeder verströmt eben eine erstklassige Aura und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die sportlich-erlebnisorientierte und gleichermaßen drittklassige Hansa-Rostock-Delegation Geleitschutz von der Schiff-Security erhält und auf Schritt und Tritt überwacht wird. Wir lassen uns während dieser Beobachtungen das erste pfandfreie Dosenbier des Tages munden und gammeln gewohnt lässig auf den „Scandlines“-Kunstledermöbeln und schippern gemütlich durch die hohe See. Eine kurze Handyrecherche ergibt, dass wir unserer minutiösen Reiseplanung ein weiteres Fußballspiel hinzufügen könnten. Das Superliga-Relegationsspiel zwischen Lyngby BK und Vendsyssel FF muss offenbar recht kurzfristig für heute Nachmittag angesetzt worden sein, anders ist es nicht zu erklären, dass die Partie bislang gänzlich unter unserem Radar geblieben ist. Zwar haben 2/3 der Clique ihr breites Kreuz bereits 2016 im „Lyngby Stadion“ zur Schau gestellt, doch da die Bedürfnisse der Frau der Reisegruppe von FUDUs Edelmännern selbst am Herrentag nicht (gänzlich) außen vor gelassen werden, ist schnell klar, dass sie heute natürlich ins Stadion darf, um mit uns øliger Entourage ihr fehlendes Kreuz nachholen zu können. Und weil wir solche Gönner sind, darf sie sogar das Auto steuern, sobald wir dänischen Boden erreicht haben. Skål!

Im Verlauf der 160 Kilometer langen Fahrt bis zum „Lyngby Stadion” informieren wir unseren dänischen Gastgeber, dass sich unsere Ankunft in Allerød leider etwas verzögern wird. Es gelingt uns nicht, einen unserer dänischen Freunde zu überzeugen, uns in Lyngby (11.232 Einwohner) Gesellschaft zu leisten. Arbeit, Kinder, Badezimmer renovieren – irgendetwas is ja immer. Kurz darauf halten wir nach Zahlung von 3×130 DKK per Kreditkarte auch schon unsere formschönen schwarz-weißen Eintrittskarten in den Händen und versuchen nun, diese gleichermaßen handlichen wie praktischen Billets vor dem einsetzenden Regen zu schützen. Etwas später stellt sich heraus, dass wir uns soviel Mühe gar nicht hätten geben müssen, da die mobilen Scangeräte am Einlass heute ihren Dienst verweigern und nun den Zuschauern die DINA4-Zettel schlichtweg wieder abgenommen werden. Da kann man ja gespannt sein, welche Aushilfskraft nachher den Stapel Papier in die Hand gedrückt bekommt, um die Zuschauerzahl händisch zu ermitteln. Was muss, das Rasmus!

Die weißen L Y N G B Y – Buchstaben, die 2016 noch die unbebaute Hintertorseite geschmückt hatten, finden sich mittlerweile in einer rumpeligen Abstellkammer unter der Tribüne wieder, dafür weiß schon jetzt der Zuschauerandrang, das bunte Konfetti, das neue Maskottchen der Heimmannschaft mit „Faxe Kondi“ als Brustsponsor und der sangesfreudige Anhang aus dem 350 Kilometer entfernten Vendsyssel zu gefallen. Wir beziehen Position im ehemaligen Gästeblock und kaum hat das Spiel begonnen, geht bei mir die erste Textnachricht aus der „FUDU – Sektion Dänemark” ein. „Murermester Klaus“ würde uns im Stadion suchen. Klar, dass ich mich da nicht zwei Mal bitten lasse und eine einigermaßen exakte Beschreibung unseres aktuellen Standpunkts zurückschicke. Mit einem Auge bekomme ich dabei mit, wie Lyngby-Keeper Mikkelsen nach gerade einmal sechs Minuten den ersten Hochkaräter der Gäste entschärft – Alhaji Kamara hatte nach einer ersten Unordnung im Strafraum aus Nahdistanz aus der Drehung abgezogen. Während die Gäste frühzeitig ordentlich auf die Tube drücken, gehen bei mir weitere Nachrichten ein. Der Maurermeister hätte uns noch nicht gefunden, so voll sei es bei Lyngby schon lange nicht mehr gewesen, schreibt „Kenneth Anger“ und noch bevor ich antworten kann, hat sich die Heimelf auf denkbar günstigste Weise von dem Anfangsdruck der Gäste befreien können, indem es nach einer ersten Flanke von der rechten Seite per Flugkopfball durch Frederik Lund Gytkjær mit 1:0 in Führung (9. Minute) gegangen ist. Das FUDU-Pärchen steht zu diesem Zeitpunkt noch am Bierstand. Ich ziehe mir erneut die Handschuhe aus (→ Dänemark) und beginne in der Annahme, unser dänischer Freund würde sich bereits im Stadion befinden, Blockbezeichnung, Reihen- und Sitzplatznummerierungen in mein Handy zu tippen und verpasse dabei das 1:1 im direkten Gegenzug. Das Tor (wohl Kamara nach Konate-Flanke) müssen wir uns wohl im Verlauf der kommenden Abende alle en Detail vom „Murermester“ schildern lassen, der eine astreine Sicht auf die Szene hatte, wie sich dank der nächsten Nachricht herausstellen wird. Reihenbezeichnungen helfen ihm nämlich überhaupt nicht weiter, da sich Klaus gar nicht vor Ort befindet, sondern sich lediglich am heimischen TV-Bildschirm auf die Suche nach uns gemacht hat. Alt andet end hyggeligt!

In Folge baut das Spiel qualitativ immer weiter ab, doch trotz der hohen Fehlerquote beider Mannschaften, des erstarkenden Windes und des erneut einsetzenden Regens lassen sich die unüberdacht stehenden Gästefans die Laune nicht vermiesen. Ohne Unterlass singen sie gegen die Tristesse an, während sich unsereins daran erfreuen muss, dass der Torlinienrichter von einer verunglückten Flanke über den Haufen geschossen wird. Lange Zeit wird dies das einzige Highlight bleiben, ehe Jeppe Kjær urplötzlich von der rechten Seite frei gespielt wird und nur denkbar knapp an Gästekeeper Nicolai Flø Jepsen scheitert. Die anschließende Ecke landet jedoch genau auf dem Kopf von Lasse Fosgaard, der zum 2:1 für Lyngby einnicken kann (30. Minute). Die Gäste haben beinahe eine unmittelbare Antwort parat, allerdings scheitert der Isländer Þorsteinsson nur 180 Sekunden später aus drei Metern an Mikkelsen, der seine Stärken ganz offensichtlich auf der Linie hat.

Kurz vor der Halbzeitpause ist dann auch die Tarnung von Yussuf Poulsen aufgeflogen, der sich wie bereits anno 2016 unter das Volk gemischt hat. Schon ganz lässig, zwischen den Spielzeiten auf Heimatbesuch zu gehen und seinem alten Jugendclub einen Besuch abzustatten. Wenn er sich auf dem Fußballplatz nicht immer wie das letzte theatralische Arschloch verhalten und die Farben des Leipziger Konstrukts tragen würde, könnte er hierdurch selbst bei uns beinahe Sympathiepunkte sammeln. Und während sich all die Einheimischen in die Selfie-Warteschlange vor Yussuf Yurary begeben, zieht es uns angesichts der großen Kulisse überaus rechtzeitig an den Versorgungsstand. Øl und Pølser gibt es im Rundum-sorglos-Paket für 85 DKK und wir können unsere Plätze locker vor Anpfiff des zweiten Spielabschnitts wieder einnehmen.

Nach gut einer Stunde unterläuft Vendsyssel ein katastrophaler Fehlpass im Spielaufbau. Der Rückpass des Rechtsverteidigers ist jedenfalls deutlich zu kurz geraten, sodass Gytkjær in die Show kommt, der nun urplötzlich auf das Tor des Erstligisten zulaufen kann, am Ende aber völlig überhastet abschließt und eher kläglich scheitert, zumal in der Mitte auch noch ein besser postierter Nebenmann bereitgestanden hätte. Die Gäste brauchen gut zehn Minuten, um sich von diesem Schreck zu erholen und senden dann endlich einmal wieder ein offensives Lebenszeichen, doch rauscht Þorsteinssons Abschluss nach gelungenem Tänzchen im Sechzehner am langen Pfosten vorbei (67.). In der 71. Minute erobert Gytkjær erneut einen Ball, den Vendsyssel fahrlässig im Spielaufbau vor dem eigenen Strafraum vertändelt und legt ihn dieses Mal quer auf Sturmpartner Mohammad Adnan, doch dessen unpräziser Abschluss erklärt nachträglich, warum Gytkjær vor wenigen Minuten womöglich alleine abgeschlossen hatte. Als der Zweitligist aus der Agglomeration Københavns wenige Minuten später auch noch einen Foulelfmeter verschießt (abermals der tragische Held Gytkjær, 82. Minute), ist die Freude über die Verkündung des Saisonrekords von 4.832 Zuschauern (gut gemacht, Rasmus!) schnell wieder verflogen und auch der eingewechselte Geertsen kann nach einem Eckball in der 89. Minute die letzte gute Gelegenheit für die „Vikingerne“ nicht nutzen. So fahrlässig muss man eine bessere Ausgangslage für ein Relegationsrückspiel erst einmal liegen lassen… und trotzdem scheint das Heimpublikum zufrieden. Mit Applaus und stehenden Ovationen werden die königsblauen (kongeblå) verabschiedet und offenbar sind die Hoffnungen auf einen erfolgreichen Saisonabschluss bei den Fans heute eher gestiegen, denn geschwunden.

Im Anschluss düsen wir hinaus nach Allerød und stoßen mit unserem Gastgeber auf den Aufstieg des 1.FC Union Berlin an. Es ist Herrentag, die Frau ist glücklich über ihr Kreuz, der Pfeffi schmeckt, wir haben Urlaub. Und wir sind erstklassig. Falls der Lyngby BK vor dem Rückspiel am kommenden Sonntag Fragen haben sollte, wie man das macht – einfach mal bei uns durchklingeln! /hvg